Israel nach der Wahl: Große Sorge vor einer nationalen Notlage (mit Muriel Asseburg)

Shownotes

Bei der Knesset-Wahl am 27. Oktober ging es um mehr als eine neue Sitzverteilung im Parlament. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und den Kriegen in Gaza, im Libanon und im Iran galt sie vielen als ein Referendum über Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Nun hat weder er noch sein Herausforderer, der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, eine Mehrheit.

Welche Optionen bleiben für eine Regierungsbildung? Was sagt der De-facto-Ausschluss der arabischen Parteien über den Zustand der israelischen Demokratie aus? Was würde ein mögliches Ende der Ära Netanjahu für die Siedlungspolitik, die Lage im Gazastreifen und den Iran-Krieg bedeuten? Und wie sollten sich Deutschland und Europa jetzt positionieren?

Darüber spricht Martin Bialecki – diesmal ausnahmsweise ohne Katharina Peetz – in dieser Folge von „Pod und die Welt“ mit Muriel Asseburg, Senior Fellow und Nahost-Expertin in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten der Stiftung Wissenschaft und Politik.

NEU: Auf dem Cover der Folge sehen Sie jetzt immer schon direkt, ob wir den spezifischen Deepdive machen – also REINZOOMEN – oder ob wir eher den größeren Bogen spannen, also RAUSZOOMEN.

Gast: Muriel Asseburg, Senior Fellow in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

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00:00:00: Zumindest eine teilweise Umsetzung des Trump-Plans für Gaza kann ich mir mit dieser Opposition durchaus vorstellen, aber eben sicher keine dramatische Änderung in Richtung einer zwei Staatenregelungen eines Friedensprozesses was auf eine Konfliktregelung abzählt.

00:00:17: Israel hat gewählt!

00:00:19: Es war die erste Wahl nach den Anschlägen der Terrororganisation Hamas am siebten Oktober und nach drei Kriegen in Gaza im Libanon und Iran.

00:00:29: Viele haben diese Wahl vorher als ein Referendum über Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnet.

00:00:35: Nun haben wieder eher noch der Kandidat der anderen Seite, der frühere General Gadi Eisenkot eine Mehrheit.

00:00:41: Was das bedeutet und wie es weitergeht?

00:00:42: Darüber wollen wir heute sprechen hier bei Pott und die Welt dem Podcast der Zeitschrift Internationale Politik.

00:00:48: Ich bin Martin Bialekki und ich werde diese Folge ausumsweise alleine hosten Denn Katarina Peetz ist für das ARD-Studio Prag im Einsatz und beim nächsten Mal wieder dabei!

00:00:58: In Israel sah es gestern Abend erst nach einem Sieg für das Oppositionslager aus.

00:01:02: Heute liegt die Regierungskoalition von Netanyahu vorn und nun beanspruchen beide Seiten die Regierungsbildung für sich.

00:01:10: Die Zahlen können, sie werden sich ganz sicher noch verschieden.

00:01:13: entscheiden ist vor allem ob kleine Parteien an der Sparklausel schalten.

00:01:16: das kann ein oder zwei Sitze Haus machen.

00:01:19: Es stehen komplizierte Verhandlungen bevor, möglicherweise eine Woche oder sogar monatelange hängen Partie und im Hintergrund schweilt außerdem das Thema Iran noch weiter.

00:01:28: Es gibt also ganz ganz viel zu erklären und zu besprechen und ich freue mich sehr dass wir das einmal mehr mit Muriel Asseburg tun können der naustexpert in der Stiftung Wissenschaft und Politik.

00:01:37: sie ist heute schon das dritte Mal bei uns zu Gast.

00:01:40: ganz herzlich willkommen.

00:01:41: Vielen Dank!

00:01:42: Ich freu mich!

00:01:46: Frasseburg will nehmen diese Folge am Tag nach der Wahllauf vom achtundzwanzigsten Oktober.

00:01:51: Wie lesen Sie dieses Ergebnis?

00:01:52: Ist das eine Abwahl, die nur knapp nicht für eine Mehrheit reicht oder ist es ein erstaunliches Comeback.

00:01:58: Ja ich glaube es ist genau so wie Sie es vorher schon gesagt haben.

00:02:01: Es ist weder klar dass eine noch klar das andere sondern es ist eben ein sehr ambivalentes Ergebnis.

00:02:08: Man muss aber auch sagen insgesamt ist die Opposition jetzt in der Mehrheit im neuen Knesselt mit zwei Kavillaz.

00:02:19: Das eine ist, dass der Likud zwar Sitze verloren hat aber immer noch und zwar mit Abstand.

00:02:25: die stärkste Partei in der Knesset ist also keine klare Abwahl und das die arabischen Parteien sehr gestärkt worden sind.

00:02:33: Die gemeinsame Liste ist jetzt die drittstärkste partei in der knesset Und das heißt auch, dass es sehr schwierig werden wird für Eine zionistische Mehrheit Also eine Mehrheit von Parteien ohne die Arabischen Partein.

00:02:48: Netanjau fehlen ja nach Stand heute, so um die fünf bis sechs Sitze.

00:02:52: Woher könnten sie kommen?

00:02:53: Sind das vielleicht Überläufer aus einzelnen Parteien des Oppositionslages oder geht es dann doch über eine große Koalition mit Eisencourt oder von Naftali Bennett dem Ex-Premier?

00:03:03: und wie realistisch ist denn das

00:03:04: jeweils?".

00:03:05: Also man kann sich das vorstellen, dass insbesondere wenn es noch zu einer nationalen Notlage kommt doch der Druck in Richtung Regierung der Nationaleneinheit größer wird und dann könnten da im Zentrum der Likud-und Yashar stehen.

00:03:22: Und die Ultraorthodoxen beteiligt sein.

00:03:24: Man könnte auch das Überlaufen von einzelnen Mitgliedern anderer Parteien vorstellen.

00:03:30: Aber das wäre natürlich für alle, die jetzt als Opposition zu Netanyahu angetreten sind.

00:03:35: Sehr sehr schwierig und würde dem widersprechen für was sie angetrehten sind und mit was Sie sich seit Jahren eigentlich stark gemacht haben nämlich einen Politikwandel herbeizuführen weil der ist mit Netanyahu in der Regierung ausgeschlossen

00:03:51: Stichwort mit, was sie angetreten sind.

00:03:53: Heisenkot hat ja ein Bündnis mit den arabischen Parteien praktisch ausgeschlossen.

00:03:57: Wenn jetzt die Alternative aber aussicht der Opposition eine weitere Detainillatoriegerung sein sollte, halten Sie das für endgültig dieses nicht koalieren wollen?

00:04:07: oder könnte vielleicht auch ne Duldung von außen wiederdenkbar werden?

00:04:10: Also so ne Minderheitsregierung.

00:04:11: Das gab es ja im Jahr zwanzig schon mal.

00:04:14: Ja, aber das Problem ist hier dass ja nicht genügend Stimmen da sind.

00:04:18: Dass selbst mit einer Duldung durch die arabischen Parteien es eben eine sehr kleine Minderheit.

00:04:23: nur wäre also mit jetzt rund Achtundvierzig oder Neunundvierzig sitzen und Duldung von außen kann man keine Regierung bilden.

00:04:31: Das ist viel zu instabil.

00:04:33: Das heißt es braucht zusätzlich dann andere Parteien die mit reingehen.

00:04:37: Da könnte man auch hier über Überläufer nachdenken.

00:04:41: Avigdor Liebermann scheint gerade in diese Richtung wirken zu wollen, also Abgeordnete oder Mitglieder des Likud zu überzeugen wollen dass sie überlaufen.

00:04:53: Oder man könnte sich vorstellen das eine der ultraorthodoxen Parteien in die Koalition reingeht.

00:05:00: Das halte ich nicht für sehr wahrscheinlich und das wäre auch hier nochmal problematisch, weil es mit einem Bruch eines zentralen Wahlkampfversprechens von der Opposition dann einhergehen müsste.

00:05:12: Nämlich der Frage der Lastenteilung innerhalb der jüdisch-israelischen Gesellschaft?

00:05:18: Der Frage muss man nicht endlich alle?

00:05:21: wie das oberste Gericht, dass eben auch vorgesehen hat zum Wehr oder zumindest Ersatzdienst einzuziehen.

00:05:28: Auch die Ultra-Orthodoxen.

00:05:30: Das kann jetzt ja alles richtig lange dauern und es hatten wir vorhin schon gesagt Wochen vielleicht sogar Monate.

00:05:34: wenn das aber nicht reicht diese ganze Zeit, wenn also niemand eine Mehrheit zusammenbekommt droht dann wieder so ne Neuwalschleife wie zwischen

00:05:44: Ja, das ist durchaus möglich.

00:05:45: Dass wir genau in eine solche Periode der Instabilität und von Neuwahlen wieder hineingeraten – und damit es auch von vielen Kommentatoren in Israel die große Sorge verbunden hat, dass dieser nationale Notstand, von dem wir vorher gesprochen haben dann eben auch initiiert wird durch neue Gewaltmilitäroperationen sei es gegenüber Iran, sei es im Westjordanland, in Gaza oder einem der Nachbarstaaten.

00:06:17: Ich würde gerne den Fokus noch ein bisschen aufziehen zu den Hintergrund dieser Wahl.

00:06:21: Denn im Vorfeld von der Wahl war ja ganz oft davon die Rede, dass ein Land hier über seine Identität abgestimmt habe.

00:06:28: Sehen Sie das auch so?

00:06:29: Und wenn ja für welche Identität hatte sich denn dann gestern entschieden?

00:06:35: Also die Wahl ist in der israelischen Gesellschaft von Vertretern der unterschiedlichen Lager als Schicksalswahl gesehen worden – insofern ja sicherlich Ganz stark im Zentrum stand diese Frage pro oder gegen Netanyahu.

00:06:52: Es war also keine inhaltliche Auseinandersetzung, wobei die Person Netanyahu natürlich mit bestimmten Positionierungen verbunden ist.

00:07:00: Aber es geht auch um die Person, die Haltung, den Politikstil, die Korruption, die Extremisten, die NetanyAHU in die Regierung reingebracht hat gegenüber dem Versuch überzugehen zu einem verantwortlichen Umgang mit Macht, einem Zurückdrängen des Umbaus der Justiz hin wieder zur Gewaltenteilung einer Aufarbeitung der Vergangenheit und wie schon erwähnt die Idee dass man eben sehr viel stärker eine Lastenteilungen in der Gesellschaft auch anstrebt.

00:07:35: Und darüber auch die Gesellschaft wieder zusammenbringt und die Spaltungen versucht zu überwinden.

00:07:41: Was fehlt in diesem Diskurs, ist die Frage wie kann man denn die Konfliktlinie zwischen jüdischen und palästinensisch-arabischen Israelis überwinden.

00:07:52: Da scheint mir das was wir jetzt sehen diese klare Ablehnung einer Koalition mit Arabischen Parteien selbst mit der sehr pragmatischen, moderaten Rahm-Partei die sich im Grunde zu all dem bekannt hat was Eisenkott als Bedingungen für eine Koalition zunächst formuliert hatte.

00:08:13: Dass das eben sehr stark darauf hindeutet dass es schwierig sein wird diese Konfliktlinie zu überwinden oder zumindest sich anzunähern.

00:08:23: Die Wahlbeteiligung war ja die Höchste seit über fünfundzwanzig Jahren, gerade auch unter den arabischen Israelis.

00:08:28: Wenn man die Arabischen Parteien einrechnet hat – nicht an Jahreslager das haben wir schon rausgearbeitet ganz klar keine mehr – trotzdem werden sie in der Koalitionsrechnung praktisch überhaupt nicht mit gezählt?

00:08:38: Was bedeutet das denn nun für Israelische Demokratie.

00:08:42: Das ist eine eingeschränkte Demokratie, zumindest in der Vorstellung derjenigen die jetzt eine Koalition bilden wollen weil sie eben einen signifikanten Teil der Gesellschaft a priori ausschließen von einer Beteiligung an der Regierung und sogar die Duldung durch diese Parteien letztlich als nicht ausreichend erachten.

00:09:06: Das heißt, nicht bereit sind auf diese Partei zuzugehen Belange, die wichtig sind für diesen Teil der Bevölkerung ernst zu nehmen.

00:09:17: Die Frage der Kriminalität insbesondere im palästinensisch-arabischen Teil der Bevölkerung?

00:09:24: Die Frage dieser Benachteiligung bei der Budgetverteilung in den palästenensisch Arabischen Gemeinden?

00:09:31: Die harschen Strafmaßnahmen wie Hauszerstörungen insbesondere in palästonensischen Orten Israel?

00:09:38: Und das macht es sehr schwierig, hier tatsächlich zu einer Einigung zu kommen.

00:09:42: Zu einer Überwindung der Gegensätze zu kommen und ist meiner Ansicht nach schwer mit einem Verständnis liberaler Demokratie zu vereinen.

00:09:53: Apropos Liberale Demokratie Donald Trump hat ja Netanyahu ganz offen unterstützt und nimmt den Erfolg natürlich nun auch für sich selber in Anspruch.

00:10:01: Wie schätzen Sie das ein?

00:10:02: Hatte die amerikanische Einmischung irgendeinen Einfluss?

00:10:05: Ich glaube nicht dass sie dazu geführt hat.

00:10:08: Zumindest kann ich dafür keine Anzeichen sehen, dass sie nochmal tatsächlich Netanyahu einen großen Schub gegeben hat.

00:10:15: Aber tatsächlich sind wenn wir die Umfragen vor den Wahlen angeschaut haben und die Ergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt sehen, hat sich die Sitzverteilung noch mal insofern verändert das der Likud stärker rausgekommen ist als in den meisten Umfragen vorhergesagt wurde.

00:10:35: Ich kann hier keinen eindeutigen Zusammenhang sehen mit der Unterstützung durch Trump.

00:10:40: Aber das muss man durch Untersuchungen und Befragungen der Wähler tatsächlich etablieren, ob das einen Einfluss hatte oder

00:10:48: nicht.".

00:10:52: Jetzt gibt es unmittelbar Nachteilberichte.

00:10:55: die USA hätten die Golfstaaten auf einem kurzen und sehr intensiven Krieg gegen Iran vorbereitet.

00:11:00: nach den Midterms am dritten November finden in die Stadt.

00:11:03: Netanyahu sieht sicher durchaus gestärkt und er bleibt ja erst bei Geschäftsführer oder Ministerpräsident.

00:11:09: macht das alles aus ihrer Sicht ein Angriff wahrscheinlicher?

00:11:12: Es besteht das große Risiko, dass es tatsächlich zu einem gemeinsamen Angriff kommt.

00:11:19: Normalerweise würde man als geschäftsführende Regierung keine Entscheidung über Krieg-und Frieden treffen sondern in einer solchen Situation solche Entscheidungen nur gemeinsam mit der Opposition Regierung in Spätreffen.

00:11:36: Es ist nicht ausgeschlossen, dass die jetzige Opposition sich dem nicht vollständig verweigern würde denn auch hier haben wir eine ganz klare Priorität Richtung Eindämmung des iranischen Nuklearprogramms in enger Zusammenarbeit mit den USA.

00:11:53: allerdings denke ich das Eisencode eben sehr viel stärker das Binden würde an konkrete Bedrohungen.

00:12:03: So hat er es zumindest angekündigt, dass er nur dann militärisch aktiv werden würde wenn sich das Betrugspotenzial deutlich verändert hat und es also klare Hinweise darauf gibt Iran wieder an einem Atomprogramm arbeitet oder überhaupt erst an einen militärischen Atomprogramm arbeitet.

00:12:26: Also er hat meiner Ansicht nach sehr deutlich signalisiert, dass er das anders machen wollen würde als Netanyahu es in der Vergangenheit gemacht hat.

00:12:34: Dennoch kann ich mir vorstellen, dass wir in einer Situation sind wo unter amerikanischem Druck Unterdruck von Netanyahu hier agiert wird selbst von einer geschäftsführenden Regierung.

00:12:48: Wenn wir nach Gaza schauen, da kontrolliert der Israel sehr viel mehr Territorium als vereinbart.

00:12:53: die zweite Phase des sogenannten Trump-Friedensplanes, die ist blockiert und die Frage stellt sich ob nach einem Wahldausgang wie diesem überhaupt noch zu erwarten ist dass ich in Gaza etwas bewegen kann?

00:13:03: Ich denke Gaza Einer der Punkte, wo wir wenn wir jetzt annehmen dass es der Opposition gelingt eine Regierung zu bilden tatsächlich kleinere Fortschritte sehen könnten und ich sage könnten und nicht sehen werden.

00:13:20: Es ist glaube wichtig zu sehen das die Opposition keine geeinte positive Vision vorgelegt hat für den Umgang mit der Palästina-Frage, auch wie man mit dem Gaserstreifen und dem Trumpplan umgehen soll.

00:13:34: Da ist nichts vorgelegt worden in den gemeinsamen Positionen die präsentiert wurden von den vier Parteien.

00:13:40: Es ist denn noch zu erwarten dass eine Regierung jetzt noch Opposition angeführt wird, zurückgehen würde zu einem stärker diplomatisch geprägten Ansatz.

00:13:53: Dass sie sich bemühen würde sehr viel stärker mit der Trump-Administration zu kooperieren und das würde sich auch auf Gaza beziehen.

00:14:01: Das könnte implizieren dass humanitäre Hilfe mehr Eingang findet nach Gaza das Nationale Komitee für die Verwaltung des Gaza-Streifen nach Gaza einreisen darf, dass palästinensische Sicherheitskräfte ausreisen dürfen um trainiert zu werden.

00:14:21: Dass eine internationale Stabilisierungstruppe stationiert werden kann also zumindest einen teilweise Umsetzung des Trump-Plans für Gaza, kann ich mir mit dieser Opposition durchaus vorstellen?

00:14:34: halte ich nicht für abwegig, aber eben sicher keine dramatische Änderung in Richtung einer zwei Staatenregelungen eines Friedensprozesses was auf eine Konfliktregelung abzählt.

00:14:46: Die Regierung von Italieniau stützt sich ja auch auf rechtsextreme.

00:14:50: prominente Vertreter sind Ithama Benguir und Besardels-Mutrich.

00:14:54: Beide haben das Westjordanland und Gaza im Wahlkampf ganz offen zur Annexion ausgerufen.

00:14:59: Was bedeutet dieser Wahlausgang denn für diese Annexionsagenda, für die gewaltisraelische Siedler und auch für die Zukunft der palästinensischen Autonomiebehörde?

00:15:09: Das ist ein Punkt wo man auch erwarten kann dass es kleine Änderungen geben wird unter einer Regierung die von der jetzigen Opposition angeführt wird.

00:15:19: Das heißt und das haben diese Parteien deutlich gemacht, dass sie Siedlergewalt eindämmen wollen.

00:15:25: Dass sie wieder Recht und Ordnung herstellen wollen im Westjordanland.

00:15:29: Dass Sie sich mit den illegalen Außenposten und diesem unglaublichen Anwachsen dieser illegalen Ausimposten dem entgegen stellen wollen?

00:15:38: Dass Sie insbesondere das Siedlungsprojekt E-I, dass das Westjordernland effektiv in zwei Teile zerschneidet stoppen wollen oder zumindest aussetzen wollen?

00:15:49: Ich denke, es ist auch zu erwarten dass diese ständigen Provokationen auf dem Tempelberg Haram Asharif aufhören.

00:15:57: Zumindest von Seiten der Regierung aus der Opposition werden die dann weitergehen aber eben nicht mehr aus den Reihen der Regierung und damit verlieren sie natürlich auch an Durchschlagskraft und an Bedrohungspotenzial.

00:16:10: Und ganz wichtig ich kann mir gut vorstellen das dieser Opposition bereit ist zurückzugehen zu einem Ansatz des Konfliktmanagement mit der palästinensischen Autonomiebehörde, also weggeht von dem was wir in den letzten Jahren gesehen haben.

00:16:27: Dem aktiven Unterminieren der Autonomiedehörde und dem Ansatz ihr so viel Steine wie möglich in den Weg zu räumen sondern zurück zur Kooperation, Koordination und das heißt auch die Frage lösen wie man wieder regelmäßig Gelder transferieren kann an die Autonomiebehörden.

00:16:51: Schauen wir mal auf die Optionen für die Europäische Union und für Deutschland.

00:16:55: Brüssel hat ja ziemlich stark auf eine Regierungswechsel gehofft, einfach deswegen weil dann die Debatte über das Assoziierungsabkommen mit Israel entschärft werden würde.

00:17:05: Jetzt ist diese Hoffnung am mindestens fraglich.

00:17:07: was soll denn die EU jetzt tun?

00:17:09: Was würden sie raten?

00:17:11: So unklar wie die Situation jetzt ist halte ich es für sinnvoll dass man sich in brüssel und in berlin und in den anderen europäischen Hauptstatten jetzt nicht zurücklehnt und sagt erstmal abwarten, sondern sehr klar kommuniziert was Deutsche, was europäische Prioritäten sind.

00:17:30: Und zwar insbesondere gegenüber der Opposition die vielleicht in Zukunft die Regierung stellen würde weil man hier durchaus offene Türen hat In dem Sinne das Eisencourt sehr deutlich gemacht hat dass er großes Interesse daran hat die Beziehungen zu den Europäern insbesondere zu Frankreich, zu Großbritannien, zu Deutschland und zu Italien zu verbessern.

00:17:54: Was sind diese Punkte?

00:17:55: Ich denke ganz vorne an muss der Gasastreifen stehen also sehr schnell jetzt Druck dahingehend zu machen dass humanitäre Hilfe in den Gasastreifens kommt das Early Recovery Ansätze von Wiederaufbau erfolgen Elemente des Trump-Planes umgesetzt werden können, dass die Blockade in Bezug auf den Gaza-Streifen jetzt beendet wird von israelischer Seite.

00:18:20: Das Zweite ist im Bezug Auf Westjordanland beides was wir gerade schon angesprochen haben Die Stärkung der palästinensischen Autonomiebehörde oder andersrum ausgedrückt das Israel nicht länger das was Europa beabsichtigt, nämlich die Autonomiebehörde zu stärken unterminiert und unterläuft.

00:18:42: Und ganz klar gegen die unglaubliche Annexions- und Siedlungsausweitung der letzten Jahre vorzugehen.

00:18:52: Und drittens – und das ist der Punkt wo es schwieriger wird denke ich – ganz klar darauf zu beharren dass es ohne eine Perspektive für eine Konfliktregelung, die das Selbstbestimmungsrecht bei den Völkern mit einbezieht auf Dauer nicht funktionieren kann.

00:19:08: Jetzt mögen ja Forscherinnen und Forscher den Blick in die Glasflügel überhaupt nicht so gern, aber Sie Frau Assebo kennt Ihre Region oder das Land so gut?

00:19:15: Wo sehen sie Israel in einem Jahr?

00:19:18: Meine große Sorge ist dass es überhaupt nicht stabilisiert sein wird bis dahin weder ihnen politisch noch dass wir Fortschritte erzielt haben werden in Bezug auf Israels Beziehungen zu den Palästinensern, zu Syrien, zu Libanon und mit dem Iran.

00:19:37: Und das hängt natürlich nicht nur an einer schwierigen Koalitionsbildung in Israel – an den tiefen Gräben in der israelischen Gesellschaft, an den Auswirkungen der Kriege der letzten Jahre sondern es hängt auch daran dass wir einen Mann im weißen Haus haben, der extrem erratisch ist und immer wieder eben auf Konflikteskalation statt auf Deeskalations setzt.

00:20:04: Und sehr wenig dazu tut um Konflikte in der Region dauerhaft zu transformieren, dauerhaft zu

00:20:11: deeskalieren."

00:20:12: Sagt Muriel Asseburg, Nauestexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik.

00:20:16: ganz herzlichen Dank für Ihre Analyse und fürs Gespräch!

00:20:20: Sehr gerne

00:20:24: Wie immer im Ende einer Folge von Potentie Welt, werden wir kurz auf das Gespräch zurückschauen und sozusagen nachhören was besonders hängen geblieben ist.

00:20:32: Das muss ich heute ohne Katharina's Klugheit tun.

00:20:35: Was also geht mir durch den Kopf?

00:20:36: Ich finde es ist ganz oft so bei uns bei Potentier Welt wenn eine Situation ein Land eine Lage besonders kompliziert ist und vielleicht auch besonders aussichtslos dass wir dann Experten haben die mit besondere Nüchternheit und Analyse Kraft darauf gucken.

00:20:50: Das war für mich heute eines dieser Gespräche so detailliert und trotzdem so an den langen Linien entlang auf dieses Land, auf die Wahl, auf der Region schaut.

00:21:01: Wo es einfach nicht sehr gut aussieht.

00:21:03: Man hat im Mittagund das Thema Iran- und Andontenangriff wieder jede Vernunft möglicherweise schon in den nächsten Wochen.

00:21:10: Wir haben eine Opposition, die nicht geeint ist, die keine positive Vision hat.

00:21:16: Es gibt allenfalls kleine Änderungen selbst wenn die Oppositionen an die Macht käme in Sachen Siedlergewalt.

00:21:23: Also da kann man schon etwas pessimistisch in diese Zukunft gucken.

00:21:27: Andererseits gibt es auch Möglichkeit für Brüssel, die Europäische Union und Berlin.

00:21:32: Gaza hat sie genannt humanitäre Hilfe, Wiederaufbau, Stärkung der palästinensischen Autonomiebehörde sich gegen die Annexionspolitik zu wenden.

00:21:40: trotzdem unterm Strich das ihre Sorge ist dass Israel eben nicht überhaupt nicht stabilisiert ist weder nach ihnen noch nach außen.

00:21:46: einem Jahr Das war schon ein kräftiger dunkler Schlussgedanke.

00:21:49: und dann noch Donald Trump dazu zwar nur noch zwei Jahre am Amt ist, aber trotzdem einfach da ist.

00:21:55: Strich drunter wegschauen hilft trotzdem nichts auch wenn es schwierig ist – helfen und eine klare Position beziehen… Aber schon!

00:22:05: Und damit endet diese Folge von Potentier Welt.

00:22:07: Wenn Sie mögen hören wir uns in zwei Wochen wieder.

00:22:10: Herzlichen Dank fürs Zuhören und machen sie's gut.

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