Rückblick: das Beste aus über 30 Folgen „Pod und die Welt“

Shownotes

Zum Start ins neue Jahr blicken die beiden Hosts Katharina Peetz und Martin Bialecki auf die Highlights der vergangenen Folgen zurück: Was ist besonders in Erinnerung geblieben? Welche Tendenzen in der internationalen Politik zeichnen sich schon länger ab? Wo lagen unsere Gäste goldrichtig?

Die nächste reguläre Folge des IP-Podcast erscheint am 29. Januar.

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00:00:00: Und zack, schon ist 2026.

00:00:03: Herzlich willkommen zu unserer ersten Folge im neuen Jahr.

00:00:06: Wir hoffen, Sie sind gut gestartet und blicken zuversichtlich allem, was da kommt entgegen.

00:00:11: Ich bin Martin Bialecki

00:00:12: und ich bin Katharina Peetz auf von mir.

00:00:14: Happy New Year und herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Folge, das ist Pod und die Welt, das außenpolitische Update der Zeitschrift Internationale Politik.

00:00:23: Der Januar ist ja ein idealer Monat, um sich ein bisschen zu sortieren und nochmal kurz zurück zu blicken.

00:00:28: Was war da so los in den letzten Monaten und Jahren?

00:00:31: Wie soll das weitergehen?

00:00:32: Und deshalb haben wir uns überlegt, auch wir wollen mal zurückblicken auf die letzten inzwischen mehr als dreißig Folgen, die wir schon aufgenommen haben.

00:00:39: Manche Episoden sind uns besonders gut in Erinnerung geblieben, manche Perspektiven haben nachhaltig was verändert und manchmal waren auch einfach Time and Place der Folgen ganz besonders.

00:00:48: Und was wir beim Durchhören der alten Folgen natürlich auch ganz stark gemerkt haben, wie viel sich seit dem Start des Podcasts schon verändert und entwickelt hat, aber genauso wie viele Tendenzen in der internationalen Politik sich schon länger abzeichnen und beobachten lassen.

00:01:02: In diesem Sinne, hier kommt unser kleines, total subjektives Best-of.

00:01:06: Ich fange mal an mit einer Folge, bei der wir den Podcast fast kurzfristig umbenannt hätten statt Port und die Welt, oh Gott, die Welt.

00:01:13: Meine Güte, da war eine sehr aufgewühlte Zeit.

00:01:16: Trump wurde wieder gewählt und am selben Tag bzw.

00:01:19: Abend danach scheiterte er die Ampelkoalition in Berlin.

00:01:22: Das war also schon mal ganz besonderes Timing.

00:01:24: Diese Folge war aber auch deshalb eine besondere, weil wir beide Martin da ausnahmsweise mal zusammen vor Ort in Berlin aufgezeichnet haben in diesem ganz tollen Lesesaal bei der DGAP.

00:01:35: Und das Ganze getoppt hat dann noch eine ganz tolle Gesprächspartnerin, nämlich Constanze Stelzenmüller von Brookings Institute.

00:01:41: Und ich muss sagen, dieses Gespräch kam für mich wirklich genau zur richtigen Zeit, weil Constanze Stelzenmüller mit ihrer ruhigen und auch analytischen Art sehr geholfen hat, in dieser aufgewöhten politischen Großwetterlage alles so ein bisschen zu sortieren, die größeren Dimensionen und Linien anzuschauen.

00:01:57: Und wir hören jetzt mal einen kleinen Ausstand aus dieser Folge vom 8. November 2024.

00:02:03: Wir haben klar über die US-Wahl gesprochen und auch darüber, was sich daraus für Deutschland und Europa ableiten lässt.

00:02:09: Constanze Stelzenmüller hat gesagt, Sie sollten uns fragen, ob diese Wahl von Trump auch Europas und Deutschlands Zukunft ist.

00:02:30: Und ich glaube, die selbstkritische und sehr ernste Frage, die sich alle Demokraten in Europa und in Deutschland jetzt stellen müssen, ist, was müssen wir tun?

00:02:38: Was können wir tun, um aus dieser Wahl zu lernen und um zu verhindern, dass bei uns die Strong-Man und Strong-Woman an die Macht kommen?

00:02:45: Weil ihre Wirkung mit Sicherheit sprürisch sein wird und danach Europas Demokratien und unsere Demokratie wieder zu reparieren.

00:02:54: Das wird dann eine unermesslich schwere Aufgabe.

00:02:57: Das heißt, wenn ich es richtig verstehe, man fährt gerade ne oder muss gerade ne zweiteilige Strategie fahren.

00:03:01: Einerseits muss man einen Umgang finden mit Trump als US-Präsident und versuchen da ja auch weiterhin Beziehungen oder Partnerschaften zu behalten und gleichzeitig als abschreckendes Beispiel ihn sehen und daraus lernen ziehen.

00:03:13: Ja,

00:03:13: aber auf den ersten Teil ihrer Frage bezogen, was wir nicht tun sollten.

00:03:18: Das haben wir vielfach gesehen in der ersten Trump-Administration, ist uns darauf irgendwie verlassen, dass wir einen nationalen Sonderkurs fahren können und damit irgendwie Erfolg haben.

00:03:28: Dafür gibt es verschiedene Versionen, Angela Merkels, Emmanuel Macrons, Boris Johnsons, die haben alle nicht so gut funktioniert.

00:03:34: Aber wir werden jetzt erleben, wie die Autoritären sich mit Trump gemeint machen oder ihn herausformen.

00:03:39: Das Erste, haben wir gesehen, bei den Gratulationen von Leuten wie Viktor Orban, das Zweite ist bei der Bemerkung des Kreml-Sprechers Peskos, der Kreml betrachte Amerika weiterhin als Feind, aber man könne reden.

00:03:51: Das kann nicht das Modell sein, aber die schon gesagt, ich halte den Schulterschluss verentscheidend.

00:03:55: Man kann trotzdem getrennt kommunizieren.

00:03:58: Aber wir müssen uns absprechen.

00:04:00: Und wir müssen wissen, dass wir geeint stehen müssen.

00:04:04: weil wir sonst getrennt geschlagen werden.

00:04:05: Und was das Letztere anbetrifft, ja, diesen Punkt möchte ich gerne noch mal machen, weil er mir besonders wichtig ist.

00:04:10: Es gibt in der amerikanischen harten Rechten eine Fraktion, die nichts Geringeres will, als die amerikanische Verfassungsordnung auszuwechseln nach ungerischem Vorbild.

00:04:19: Es gibt auch welche, die einen protestantischen Franco fordern.

00:04:22: Das wäre dann in der Tat eine Art von Klärikalfaschismus.

00:04:25: Aber dieses Franco-Vorbild finde ich momentan noch eher folkloristisch, aber die Faszination mit Orbern ist allgegenwärtig.

00:04:32: Und das würde bedeuten Abschaffung des politischen Pluralismus, Ende der Trennung von Kirche und Staat.

00:04:37: Dahinter steht eine Magerbewegung, die auf einem religiösen Fusionismus basiert.

00:04:41: Auch das sollte man sehr ernst nehmen.

00:04:43: Und schließlich die weitgehende Beschneidung von Freiheits- und Minderheiten rechnen.

00:04:47: Übrigens noch eine Sache sollte man nicht vergessen.

00:04:49: Die Vertreter von Kulturkampfbeschreibung auch in Deutschland.

00:04:53: Glauben.

00:04:53: ja, hier habe ich eine Ideologie gesiegt bei Trump und eine religiös fundierte Ideologie.

00:04:58: Die sollten sich nochmal sehr genau anschauen, den Zickzackkurs von Trump beim Thema Abtreibung.

00:05:03: Trump hat am Ende verstanden, dass dieses Thema ihn stimmen kosten könnte bei schmalen Mauschen und hat deshalb darauf verzichtet, ein nationales Abtreibungsverbot zu fordern.

00:05:12: Und trotzdem haben, glaube ich, zwei Drittel der evangelikalen Wähler hingewählt.

00:05:16: Das zeigt, dass hier es geht um Macht und um Regieren und um die Veränderung der Ordnung und nicht um Ideologie.

00:05:25: Tja, und mit dieser Analyse larkonstanz der Stelzenmüller im November, natürlich goldrichtig aus heutiger Sicht.

00:05:31: Wie sehr es um die Veränderung der Ordnung geht, das haben wir in den letzten Monaten seit Donald Trumps Amtsantritt hier immer wieder gesehen.

00:05:37: Ja, vieles ist in der Tat ganz genauso gekommen, wie von Konstanze Stelzenbüller und anderen befürchtet.

00:05:43: Manchmal steht man da als Beobachterin oder Beobachter ziemlich hilflos damit seinen frühen Hinweisen, denn man kann das meiste ja trotzdem nicht verhindern.

00:05:50: Sehr sehr klug und sehr hellsichtig fand ich in diesem Kontext die Ansichten von Julian Müller-Kahler.

00:05:55: Mit dem haben wir über Populismus gesprochen, am einunddreißigsten Juli.

00:05:59: Weltweit ist ja die Demokratie auf dem Rückzug, autoritäre Formen und rechte Bewegungen sind dagegen auf dem Vormarsch.

00:06:05: Das gilt ganz sicher auch für die USA, aber auch für autoritäre Regime wie China oder Russland und vor allem für eine ganze Reihe europäischer Länder.

00:06:12: Wir haben mit Julian in Washington darüber gesprochen, was das alles zu bedeuten hat und was daraus für freie Gesellschaften folgt.

00:06:18: Julian Müller-Kaler rät sich nicht zu einfach zu machen mit den Vorwürfen an.

00:06:22: Die Populisten, für ihn ist Populismus eher so eine Art Fiebertermometer der Gesellschaften.

00:06:27: Die eigentlichen Probleme und damit auch die Lösung, die lägen ganz woanders.

00:06:34: Ich

00:06:34: argumentiere nicht, dass Populismus kein Risiko ist, sondern ich würde sagen, dass der Populismus ein Symptom für die Performance-Schwäche von Demokratien aktuell ist.

00:06:43: Es ist natürlich über diese Henne-Ei-Geschichte, aber dass es vor allen Dingen eben darum geht, dass der Populismus in westlichen Demokratien viel mehr Symptom als Ursache gesellschaftlicher Eskalationsprozesse ist.

00:06:55: Nehmen wir die USA als vielleicht Vorreiterbeispiel oder Negativbeispiel.

00:07:00: Natürlich kann man argumentieren, dass Donald Trump eine Gefahr für die amerikanische Demokratie ist, aber ich würde argumentieren, dass er vielmehr eine Konsequenz eben undemokratischer und gesellschaftlicher Herausforderung in den Vereinigten Staaten ist.

00:07:13: Was ich damit meine, ist, dass in Amerika, in dem reichsten Land der Welt, seit ungefähr einer Dekade die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt, dass sich ein Großteil der Menschen von Paycheck zu Paycheck durchhangeln und dass die Wahrscheinlichkeit, den amerikanischen Traum zu leben, definiert, dass es mir besser geht, ökonomisch, als mein Eltern, inzwischen bei unter fünfzig Prozent liegt.

00:07:36: Insofern ist es wirklich überraschend, dass eine Figur wie Donald Trump und seine populistische Magerbewegung, die natürlich von der Destruktion des politischen Systems lebt und damit werbt, So erfolgreich ist.

00:07:48: Ich würde argumentieren, nein, es ist das nicht, sondern es ist viel mehr Symptom als Ursache.

00:07:52: Und ähnliche Tendenzen sehen wir auch in Europa, ob das der Brexit, der Frauenational in Frankreich ist oder eben die AfD in Deutschland.

00:08:01: Ich finde, dass Julian Müller-Kahler hier einen Finger in die Wunde legt.

00:08:04: Das ist unbequem, aber hilfreich.

00:08:07: Es ist ziemlich denkfaul, Ursache und Symptom zu verwechseln.

00:08:10: Populisten bekämpft man überall mit besserer Politik, Politik, die das Leben der Menschen wieder verbessert.

00:08:15: Mir ist diese Folge ziemlich lang im Kopf rumgegangen.

00:08:18: Ja, das ging mir auch so.

00:08:19: Wobei ich eben gerade diesen Gedanken von bessere Politikmachern auch nicht so leicht zu greifen finde.

00:08:23: Es kommt dabei natürlich immer sehr auf die jeweilige Perspektive an.

00:08:27: Und apropos Perspektiven, da finde ich es ja immer besonders hilfreich, auch die historischen Entwicklungen im Hinterkopf zu haben.

00:08:33: Deshalb war eine andere Folge, die ich noch sehr gut in Erinnerung habe, die mit dem Historiker Timothy Garten Esch.

00:08:39: Ich bin großer Geschichtsfan und finde, wenn man über aktuelle politische Entwicklungen spricht, dann sollte man eben auch immer die größeren historischen Zusammenhänge anschauen.

00:08:47: Und Timothy Garten Esch kann das besonders gut.

00:08:50: Wir haben für die Folge vom neunten Januar, zw.

00:08:52: und zwanzig, mit ihm gesprochen.

00:08:54: Mir ist vor allem das Ende des Gesprächs noch sehr in Erinnerung.

00:08:57: Da ging es darum, was sich mit dem Rückzug der USA für uns in Europa persönlich und psychologisch ändert.

00:09:22: Das bringt meines Erachtens eine zusätzliche Faktor von psychologischer Unsicherheit vor allem.

00:09:35: Nicht sofort militärische Unsicherheit, aber psychologische Unsicherheit in unseren schon sehr verunsicherten Gesellschaften.

00:09:46: Zum... Abschluss würde ich gerne noch mal fragen.

00:09:48: Sie haben es ganz am Anfang gesagt.

00:09:49: Wir stehen eigentlich vor einem großen Fragezeichen, dass sich nicht nur aufs Jahr zwanzig, sondern auf das nächste Jahrzehnt bezieht.

00:09:56: Als Historiker schauen Sie natürlich viel zurück und Sie haben rückblickend dann festgestellt, dass eigentlich schon seit zwei tausend acht die große Wende abwärts in Europa eingetreten ist.

00:10:06: Wenn wir uns einen einen Zeitstrahl vorstellen, wo würden Sie das Jahr zweitausend zwanzig da einsortieren?

00:10:11: Sind wir da noch ganz am Anfang?

00:10:13: Sind wir schon mittendrin in dieser?

00:10:15: Wir haben es vielfach gesagt, neuen Ehre.

00:10:17: Letztendem,

00:10:18:  in den fünf Jahren nach 1945 haben wir in Grunde genommen die Fundamente des europäischen Systems und nicht nur des europäischen Systems eine neue Weltordnung gebaut. Das Jahr 1950 war schon NATO, war schon Vereinten Nationen, die Bretton Woods Institutionen und und und. Die fünf Jahre nach 1989, da haben wir schon die Grundrisse der Nachmauerordnung, die waren schon sichtbar. 

00:10:35:

00:10:36:

00:10:41:

00:10:47:

00:10:56:

00:10:58: Es gibt keine neue Versuche, eine neue europäische Sicherheitsordnung.

00:11:03: Es geht um die Erweiterung der EU und der NATO.

00:11:06: Ja, um eine Erwartung zu sagen des geopolitischen Westens.

00:11:11: Wir sind jetzt fast am Ende des dritten Jahres,

00:11:17: seit dem 24. Februar 2022. Also ich würde sagen, in den nächsten zwei Jahren entscheidet sich wahrscheinlich vieles darüber, wie diese neue Ehre, diese neue Zeit aussieht.” 

00:11:17:

00:11:32:  Ja, ein Jahr von diesen prognostizierten zwei Jahren ist jetzt schon rum.

00:11:38: Wir haben dieses Gespräch mit Timothy Garton-Ash vor ziemlich genau einem Jahr geführt.

00:11:42: Und wenn man an die Gespräche und Szenarien für ein mögliches Ende des Kriegs in der Ukraine denkt, dann ist auf jeden Fall klar, dass der Ausgang dieses Krieges und die Vereinbarungen über einen Waffenstillstand ganz entscheidend dafür sein werden, wie diese neue Ära in Europa aussehen wird.

00:12:01: Wir haben in unserem Podcast auch über einer Ost gesprochen, mehrfach sogar über Diplomatie, über die Vereinten Nationen und vieles mehr.

00:12:07: Trotzdem war das Thema Sicherheit, Warnkrieg und Frieden natürlich sehr, sehr stark.

00:12:11: Darum ging es auch in unserem Gespräch mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel, das haben wir aufgenommen am elften September.

00:12:18: Sönke Neitzel ist mir in der Rückschau besonders wichtig, nicht wegen der Lage in der Ukraine und die Möglichkeit des Landes, das ist sozusagen immer wichtig, sondern da geht es mir vor allem um die Veränderung des Diskurses in Deutschland wegen einer anderen Bewusstseinslage.

00:12:31: Deswegen ist es wichtig, was das Thema Sicherheit ganz generell anbelangt und da macht Sönke Neitzel meiner Ansicht nach einen sehr guten Punkt, wenn er auf einen Auseinander klaffend zwischen Bevölkerung und Politik hinweist.

00:12:44: Für uns, die jetzt Teil eines öffentlichen Diskurses sind, da kann man glaube ich jetzt wirklich nicht beklagen, dass der im öffentlichen Diskurs über alle möglichen Szenarien gesprochen würde, über auch eine gewisse Dringlichkeit der Situation.

00:12:57: Also der Diskurs hat sich doch erheblich verändert und ich würde sagen, wenn irgendwo die Zeitenwände angekommen ist, dann im öffentlichen Diskurs in den öffentlichen Debatten.

00:13:06: Diese Zeitenwende und dieses Ankommen dieser Wegruf kann man ja auch verschieden nebenhören.

00:13:10: Wir haben die neuste Bevölkerungsumfrage des ZMSBW, des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, die auch zeigt, dass die Bevölkerung in all diesen Fragen mitgeht, dass eben eine Mehrheit der Deutschen in Russland als Gefahr sieht, dass sie für mehr Soldaten sind, für die Wehrpflicht und so weiter und so weiter.

00:13:29: Das Problem ist einfach schlicht und das habe ich schon oft gesagt, die Politik.

00:13:34: Und zwar einerseits die Legislative und die Parteien und dann die Exekutive, die Regierung.

00:13:39: Wenn wir sehen, was passiert und was eigentlich sachlich geboten wäre, was zumindest vielleicht nicht alle.

00:13:45: Aber doch die allermeisten Experten sagen, viele in der Mehrheit der Bevölkerung, wenn wir sehen, was dann erfolgt, da sehen wir ein großes Delta.

00:13:51: Und ich glaube, dass im Rahmen der SPD zum Beispiel viele einfach den Schuss nicht gehört haben und irgendwie glauben, aus ihrer eigenen Überzeugung heraus und die Überzeugung sind ja eine Legitim.

00:14:01: Ich will das gar nicht dieservoieren.

00:14:03: Ja, nee, das wird jetzt bald Frieden geben und dann können wir uns wieder mit den... Themen der sozialen Gerechtigkeit auseinandersetzen.

00:14:09: Es ist einfach ein Unernst bei der Sache und es ist nicht die Frage des Kurses, es ist letztlich eine Frage, eine innere Frage der der Politik und der Politik funktioniere.

00:14:19: Da

00:14:19: würde ich dafür vorsagen, da müsste man nochmal auch nicht in Zorn stoßen, um den Leuten klar zu machen, dass sich schon eine Verantwortung für dieses Land

00:14:27: hat.

00:14:29: Tja, wenn man auf diese Aussagen vom Herbst, im Jahr zwanzig, zurück schaut, sind wir zwar ein bisschen weiter, aber noch lange nicht da, wo wir sein müssten.

00:14:37: Die Spitzenpolitik macht zu wenig klar, wie groß die Bedrohung ist und wie viel sich ändern muss im Land.

00:14:44: Mir macht das große Sorgen.

00:14:45: Ich

00:14:45: finde es auch interessant für den Aussagen von NATO-Generalsekretär Marc Rütte noch im Dezember in Berlin.

00:14:51: Der hat ja noch mal ganz deutlich auf diese Bedrohungslage hingewiesen und eben auch gesagt, dass nicht alle Mitgliedstaaten das seiner Ansicht nach ernst genug nehmen würden.

00:14:58: Also auch er hat oft mal den Eindruck, so richtig angekommen, ist es noch nicht überall.

00:15:06: Auch in meiner letzten Best of Folge ging es um den Ukraine-Krieg, aber vor allem um die russische Perspektive.

00:15:12: Und das merke ich immer wieder.

00:15:13: Es ist ja aus nachvollziehbaren Gründen inzwischen sehr schwierig, noch Einblicke in die russische Gesellschaft zu erhalten.

00:15:19: Es gibt keine freie Presse, Kritiker und Gegner des Systems haben entweder das Land verlassen, sind hinter Gittern oder tot.

00:15:25: Deshalb fand ich die Einschätzungen von der Osteuropa-Expertin Sabine Fischer sehr bereichernd, die ja selbst viele Jahre in Russland gelebt hat.

00:15:31: Wir haben in der Folge vom siebenundzwanzigsten März, über das Thema Gewalt in der russischen Gesellschaft gesprochen und inwieweit der Krieg in der Ukraine da noch weiter zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt.

00:15:46: Naja, das Gewaltniveau in der russischen Gesellschaft steigt weiter.

00:15:48: Die aus dem Ausland operierenden, aber dennoch immer noch ziemlich nah an den russischen gesellschaftlichen Entwicklungen, sich befinden in unabhängigen russischen Medien, richten da zum Beispiel auch einen Fokus drauf.

00:15:59: Die versuchen auf eine ganz systematische Art, diesen Zusammenhang herzustellen zwischen dem Krieg, der von Russland aus gegen die Ukraine geführt wird und dem ansteigenden Gewaltniveau in der russischen Gesellschaft in Form von häuslicher Gewalt, in Form von krimineller Gewalt, was auch immer.

00:16:16: Und es gibt sehr, sehr viele Fälle von Morden, von ... eben auch gerade häuslicher Gewalt

00:16:21: etc.,

00:16:22: in die Veteranen des Krieges verwickelt sind.

00:16:26: Und das ist auch ein Phänomen, das unter dem alle in Kriege verwickelte Gesellschaften leiden, also dieser sogenannte Gewalt, Boomerang, der einfach darin besteht, dass Soldaten ... die in diesem Gewaltexzess, den sie erleben, zutiefst traumatisiert werden, auch als Täter traumatisiert werden, in ihre Heimatgesellschaft zurückkehren und vor allen Dingen, wenn das Trauma unverarbeitet bleibt, diese Gewalt fortsetzen.

00:16:53: Das ist ein großes Problem und das ist im Übrigen auch einer der vielen Punkte, wo man

00:16:58: sieht,

00:16:59: wie weit sich die ukrainische Gesellschaft und die russische Gesellschaft in den letzten dreißig Jahren eigentlich auseinander entwickelt haben.

00:17:06: Denn auf der ukrainischen Seite gibt es zum einen einen Blick dafür, wie gefährlich dieses Gewalttrauma ist.

00:17:12: Und ich meine, auf der ukrainischen Seite haben wir es mit dem Opfertrauma zu tun.

00:17:16: Also die ukrainische Seite ist die angegriffene Seite.

00:17:18: Dennoch haben sie hier ein ähnliches Problem.

00:17:20: Sie haben hunderttausende von Männern und Frauen, die Kampferlebnisse haben, die also in diesen Krieg verwickelt sind.

00:17:28: Und über die ein Gewalttrauma und eine Gewaltspirale natürlich sich auch in der ukrainischen Gesellschaft entwickeln kann.

00:17:35: Und auf der ukrainischen Seite gibt es tatsächlich sowohl von staatlicher Seite als auch von gesellschaftlicher Seite Initiativen, die genau an diesen Traumata zu arbeiten versuchen.

00:17:43: Auf der russischen Seite ist das unterentwickelt.

00:17:46: Auf der russischen Seite haben sie einen necrophilen Heldenkult, wenn sie so wollen.

00:17:51: Aber ... so gut wie keine Instrumente und auch gar nicht den Willen und die Fähigkeit, mit diesem Trauma umzugehen.

00:17:59: Der Begriff Frieden im Zusammenhang mit der Russischen Gesellschaft ist sehr, sehr schwierig.

00:18:03: Aber um das momentan deutlich zu machen, für einen Frieden in der Russischen Gesellschaft ist das natürlich eine riesige Gefahr.

00:18:12: Ja, also das fand ich wirklich noch mal interessant, dass Sabine Fischer da in dieser Folge vom März, auf den Unterschied von so vielen zwischen der Ukraine und Russland hinweist, nämlich wie unterschiedlich man mit Trauma in der Gesellschaft umgeht.

00:18:24: In der Tat, apropos Trauma, in der letzten Folge, die ich mitgebracht habe, geht es nochmal um die USA.

00:18:29: Wir haben am siebten November, zwanzigundzwanzig in Washington mit Ines Pol gesprochen.

00:18:35: Das ist die Studieleiterin der deutschen Welle und mir hat sehr, sehr gut gefallen, wie ruhig, wie analytisch und gleichzeitig empathisch Ines Pol über das Tempo und über die Brutalität der Veränderungen in den USA gesprochen hat.

00:18:48: Veränderungen, die für viele in der Tat richtig traumatisch sind.

00:18:52: Ines Pol hat aber auch gesagt, die USA sind nicht gleich Donald Trump.

00:18:56: Es ist ein riesiges Land, was dein Kontinent und in diesem Land da gärt ist.

00:18:59: Da verändert sich sehr vieles sehr schnell.

00:19:02: Nicht nur mit den Nationalgarten in großen Städten oder maskierten Heschern der Regierung, die recht Jagd auf Menschen machen, sondern Ines Pol beobachtet auch noch ganz andere Veränderungen in der Gesellschaft selbst.

00:19:15: Und was ich auch ... Ich bemerke, es erinnert mich so ein bisschen an Biedermeier, dass es so einen unglaublichen Rückzug ins Private gibt.

00:19:23: Also die Leute engagieren sich viel mehr in ihren lokalen Communities.

00:19:28: Community ist hier ein Begriff, der immer wichtiger wird.

00:19:31: Natürlich auch deswegen, weil immer mehr Leute in wirklicher Not sind.

00:19:35: Community hier helfen muss.

00:19:37: Ich bleibe jetzt mal bei den Food Banks.

00:19:39: in Deutschland würde es Tafeln heißen, wo die Leute, die jetzt eben, weil es gestoppt wurde durch den Governmental Shutdown, keine Food Stams mehr kriegen, die sind jetzt darauf angewiesen, dass die Nachbarn die Geld haben oder ein bisschen mehr Geld haben, vor die einfach auch mal mit einkaufen gehen.

00:19:52: Ist jetzt nur ein kleines Beispiel, aber das trifft zu in ganz vielen Bereichen.

00:19:56: Es gibt eine noch größere Distanzierung zu Washington.

00:20:00: Washington ist sowieso wahnsinnig weit weg für den größten Teil in den USA.

00:20:04: Aber die innere Abscheu, möchte ich schon fast sagen, von einer Hauptstadt, die so wahnsinnig mit sich selber beschäftigt ist.

00:20:13: Die nur, um sich selber dreht, das waren auch die letzten beiden Jahre.

00:20:18: Soll er noch mal antreten, soll er nicht antreten, die letzten Monate vor der Wahl.

00:20:21: Die Leute waren so angenervt, dass so ein ... zwei so alte Männer gegeneinander antreten, dass die Demokraten sich nur damit beschäftigen, ob beiden ersetzt werden muss und nicht für was eigentlich eine mögliche demokratische Regierung steht.

00:20:38: Also das verschärft sich sicher, dieser Rückzug ins private, dieser Rückzug ins regionale und diese... Abkehr bis hin zu Abscheu gegenüber Washington, die also verkracht und unpragmatisch sind.

00:20:51: Und die amerikanische Seele ist sehr pragmatisch.

00:20:53: Die wollen Lösungen finden.

00:20:54: Und Washington liefert hier überhaupt

00:20:56: nichts.

00:20:59: Washington liefert überhaupt nicht.

00:21:00: Das merken die Menschen in den USA mehr und mehr.

00:21:03: Dass Trump nicht das Umsetzt, was er vollmundig angekündigt hat, Inflation runter, das Leben wird billiger, die Wirtschaft springt an, alles Kohleversprechungen mit dem Preis, dass Trump noch autoritärer agieren und noch mehr in der Welt herumfuhr wirken wird, um sozusagen unter Beweis zu stellen, dass er der größte US-Präsident aller Zeiten ist.

00:21:22: Das verbindet ja auch nochmal ganz gut ein paar Gedanken aus den anderen Folgen.

00:21:25: Diese Frage, was ist eigentlich gute oder bessere Politik?

00:21:29: Für wen wird es dann überhaupt besser?

00:21:30: Und geht es darum, eine andere Politik zu machen oder vielmehr um den eigenen Machtausbau und die Veränderung der politischen Ordnung?

00:21:38: Das alles sind Fragen, die uns sicher auch noch in diesem Jahr immer wieder begegnen werden.

00:21:47: Tja, und das war unser Rückblick auf gut dreißig Folgen Pod und die Welt.

00:21:51: Bei dieser Auswahl könnte man fast glauben, wir hätten nur über die USA und den Ukrainekrieg gesprochen, aber wie ja schon eben gesagt, da war natürlich noch viel mehr Nahost-Klima, Deutsche Außenpolitik, Globaler Süden, Vereinten Nationen und und und und.

00:22:05: Und es kommt auch noch viel mehr.

00:22:06: Am neunzwanzigsten Januar geht es weiter mit einer regulären Folge von Pod und die Welt, mit einer Ausnahme von der Regel.

00:22:13: in dieser Folge spreche ich allein mit der Zukunftsforscherin Florence Gaub.

00:22:17: Genau, ich bin dann ab Februar wieder dabei.

00:22:19: Und wenn Sie mögen, dann schreiben Sie uns doch gerne, welche Folgen Ihnen in den letzten Jahren besonders gut gefallen haben.

00:22:25: Oder gibt es vielleicht Themen, die Ihnen noch fehlen und die wir hier im Podcast unbedingt mal besprechen sollten?

00:22:30: Dann mailen Sie uns an ip@dgap.org.

00:22:33: Ich bin Katharina Peetz.

00:22:34: Und ich bin Martin Bialecki.

00:22:36: Danke und bis bald.

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